Vor einiger Zeit fiel mir auf, dass Johannes sich sehr eigenartig benahm. Er lachte nicht so viel wie sonst, er aß kaum und er hatte ständig seine Finger im Mund. Ich nahm an, dass er müde vom Kindergarten sei und einfach ein bisschen Zeit braucht um sich auszuruhen.

Aber nachdem ich ihn am Abend ins Bett gebracht hatte und ich gerade an meinem Schreibtisch saß, hört ich nackte Kinderfüße am Parkett herum tapsen. Als ich aufblickte sah ich Johannes im Türrahmen stehen, den Finger wieder im Mund. „Mami, ich glaube ich bin ein bisschen krank“, mit tränennassen Augen kam er näher und kuschelte sich auf meinen Schoß. „Was ist denn los, mein Schatz?“, fragte ich besorgt und meine Hand wanderte automatisch zu seiner Stirn um seine Temperatur zu messen. Kein Fieber. Er verkroch sein Gesicht in meiner Brust und murmelte etwas Unverständliches. „Schatzi, ich versteh dich nicht“, sagte ich und hob ihn vorsichtig auf, sodass er mir in die Augen sah. „Ich war wirklich immer brav und hab immer das gemacht, was du gesagt hast“. – „Ähm, ja Johannes, aber was meinst du jetzt damit?“, fragte ich ihn verwundert. „Und die neue Zahnbürste hab ich dieses Mal auch nicht ins Klo geschmissen“, redete er traurig weiter. „Johannes, ich versteh nicht ganz …“

Doch mein Sohn redete einfach weiter. „Und gestern hab ich nach dem Zähneputzen auch nur zwei Bonbons gegessen und das auch nur weil Antonia sonst alle aufgegessen hätte. Also eigentlich ist sie Schuld!“ „Woher hast du Bonbons bekommen? Hach nein, vergiss es“, seufzte ich und atmete tief durch. Das konnte ja noch heiter werden. Mein Sohn verkroch sich wieder in meinem Schoß. Langsam streichelte ich ihm über seinen Rücken. „Was bedrückt dich denn noch?“ ermutigte ich ihn weiter zu sprechen. „Mami, wirst du schimpfen?“, fragte der Kleine vorsichtig und sah mich  mit seinen großen grünen und tränennassen Augen an. „Nein, versprochen“, ich lächelte ihn an und war mehr als gespannt was jetzt für eine Beichte kommen würde.

Ich habe wirklich mit sehr viel gerechnet aber nicht damit. Johannes setzte sich auf und spuckte in seine Hand. Ich wollte schon mit einer Ermahnung beginnen, da öffnete er seine Hand. „Ich hab wirklich alles probiert, aber wenn ich ihn wieder reinstecken will, dann tut das so weh!“ Da liefen plötzlich die Tränen wie Bäche aus seinen Augen und er begann hemmungslos zu weinen. „Ich werde ab sofort immer brav putzen, das verspreche ich!“, schluchzte er. Da erkannte ich endlich was das kleine weiße Ding in seiner Hand war.

Zeit für die Zahnfee!

Ein Zahn! Johannes hatte seinen ersten Milchzahn verloren! „Aber Johannes! Weißt du denn nicht, was das bedeutet?“, fragte ich ihn und strahlte ihn an. „Du hilfst damit der Zahnfee!“ Und dann erzählte ich ihm vom großen Schloss, das nur aus Zähnen besteht und der Zahnfee, die jeden Abend die verloren gegangenen Zähne unter den Kopfpolstern der Kinder sammelt und ein kleines Geschenk hinterlässt. Sein Augen wurden immer größer und größer. „Ein Geschenk?“, fragte er erstaunt und schwuppst, so schnell konnte ich nicht schauen lag er wieder in seinem Bett. Der kleine Zahn unter dem Polster. „Schlaf gut, mein Schatz. Und morgen schauen wir dann beide nach, was dir die Zahnfee gebracht hat, ja?“ Doch das hörte er schon gar nicht mehr. Der kleine Mann schlief bereits tief und fest.

Mehr von mir gibt’s nächste Woche. Ich freu mich schon & happy brushing einstweilen!