Kleinkinder an Bord klingt nach Turbulenzen?

Meine ersten Erfahrungen mit Kleinkindern auf Langstreckenflügen habe ich vor 20 Jahren gemacht. Nein, nein, so alt sind meine Kinder noch nicht! Ich habe nach dem Abitur ein Jahr lang als Flugbegleiterin gearbeitet. Ehrlich gesagt war ich anfangs immer ein bißchen nervös, wenn ich vor dem Abflug beim Briefing auf der Passagierliste gesehen habe: „Oh, in Reihe 16, 27 und 41 wurde Babynahrung bestellt.“ Drei Babys an Bord! Das kann ja ein turbulenter Flug werden!

Mit der Zeit wurde ich aber sehr routiniert im Umgang mit den ganz kleinen Passagieren-  und mit deren Eltern. Denn es gibt ein paar einfache Tipps, die so einen Langstreckenflug für die ganz kleinen, deren Eltern und alle Mitreisenden zu einem entspannten Start in den Urlaub werden lassen.  Zu meinen Erfahrungen als Flugbegleiterin kamen später noch meine eigenen Erfahrungen als Mutter dazu, und so kann ich Euch heute einen ganzen Strauß von Tipps weitergeben.

Vor dem Flug

Sucht Euch einen Abflughafen in der Nähe. Vielleicht kostet der Flug vom weiter entfernten Flughafen ein bißchen weniger, aber wenn es möglich ist, ist das Geld in den nahegelegenen Abflughafen gut investiert. Dann seid Ihr (und vor allem Eure Kleinen) vor dem Abflug deutlich entspannter, als wen Ihr schon eine längere Autofahrt hinter Euch habt.

Erkundigt Euch ein paar Tage vor Abflug bei der Airline und dem Flughafen nach den Bedingungen rund um die Reise mit Kleinkind. Dürft Ihr den eigenen Kinderwagen bis zum Gate mitnehmen? Falls nein, und das Baby ist noch zu klein für einen Buggy, solltet Ihr eine Trage bereit haben (und nicht ganz unten im Koffer).

Man kann Babys (0-2 Jahre) in der Babyschale mitnehmen. Größere Kinder können auf einem Autositz im Flugzeug reisen. Beides erfordert natürlich, dass ein eigener Sitzplatz für das Baby gebucht wurde. Das kann sich lohnen, denn es kann schon ganz schön anstrengend sein, das Baby den ganzen Flug über auf dem Schoß zu halten.

Babynahrung bekommt ihr im Flugzeug. Ihr dürft aber auch eigene Babynahrung mit an Bord nehmen und die Flugbegleiter/innen machen Euch gerne jederzeit Wasser für ein Fläschchen heiß.

Während des Fluges dehnt sich Luft aufgrund des verringerten Luftdrucks im Flugzeug aus. Ein Luftballon würde sich auf einem Langstreckenflug deutlich ausdehnen- und das gilt auch für die Luft in Babys Bauch. Am besten vermeidet man blähende Nahrung deshalb schon am Tag vor dem Flug und verzichtet während des Fluges auf alles, was zu mehr Luft im Bauch führt. Und auch die Eltern trinken lieber nichts mit Kohlensäure. Ohne Bauchschmerzen reist es sich doch viel besser.

Ein schickes Reiseoutfit ist zwar schön, aber unbequeme Nähte oder störende Knöpfe drücken auf Langstreckenflügen ganz furchtbar und eine Kapuze ist im Sitzen ständig im Weg. Lockere und weiche Kleidung ohne viel Schnickschnack sorgt dafür, dass sich Babys und Kleinkinder wohl fühlen.

Bei Start und Landung

Druckausgleich ist eine schwierige Sache, sogar für manche Erwachsene. Babys können das noch nicht und Kleinkinder in der Regel auch nicht. bei Start und Landung wird daher häufig geweint- ein denkbar schlechter Start für alle Beteiligten. Um den Kindern zu helfen, kann man zum Start ein Fläschchen geben. Größere Kinder bekommen ein Kaugummi. Das Schlucken bzw. Kauen hilft beim Druckausgleich. Bei auch nur leichter Erkältung empfiehlt sich vor dem Flug  die Einnahme von abschwellenden Nasentropfen.

Während des Flugs

Meine Erfahrung als Mutter zeigt: Die erste Flugreise ist für Kinder noch wahnsinnig aufregend: So schnell rast das Flugzeug beim Start los? So einen Ruck macht es beim Abheben? Und so klein sieht die Welt von oben aus? Und dann sind da all diese Lichter und Knöpfe am Platz, Zeitschriften und etwas zu essen. Wow! Doch schon beim Rückflug ist das alles nicht mehr so spannend- und die ganz kleinen sind ohnehin mit solchen Dingen noch nicht zu begeistern. Also wird es langweilig, und dann wird es langsam laut – davor haben die meisten Eltern Angst.

Als allerersten Tipp möchte ich für diese Situation allen Eltern sagen: Entspannt Euch!

Als Flugbegleiterin habe ich nie erlebt, dass sich jemand wirklich mal über die Kinder an Bord beschwert hätte. Gut, ein bißchen Augenrollen vielleicht, wenn es gar zu laut wurde, aber das begegnet einem ja am Boden auch. Kinder sind eben Kinder und die sitzen nicht einen ganzen Langstreckenflug mit gefalteten Händen auf ihren Plätzen. Jeder weiß das. Wichtig ist, dass sich die Nervosität der Eltern nicht aufs Kind überträgt.

Bewegt Euch so oft es geht. Geht nicht auf die Toiletten, die in der Nähe Eures Platzes sind, sondern nutzt die Gelegenheit und geht lieber zur nächsten. Und auch zwischendurch kann man immer mal den Gang entlanggehen oder krabbeln. Vorsicht aber, wenn Ihr Eure Kinder im Gang spielen lasst: Es können jederzeit Turbulenzen auftreten. Das sagt man immer so, aber ich hab´s als Stewardess tatsächlich erlebt, dass eine Kollegin sich verletzt hat, als ein Luftloch dafür sorgte, dass sie mit dem Kopf gegen ein Gepäckfach stieß. Lasst die Kinder jedenfalls nicht alleine.

Ins Handgepäck gehört ein kleines Entertainmentpaket. Bücher, Malbücher, Kopfhörer für kleine Kinder (die im Flugzeug passen meistens nicht), Spielzeug- je nach Alter. Besondere Aufmerksamkeit (auch für mehr als 5 Minuten) erzeugen natürlich neue Dinge. Pixibücher zum Beispiel kosten nicht viel, oder kleine Geschicklichkeitsspiele für größere Kinder. Ein Langstreckenflug ist auch eine Gelegenheit, bei der ruhig mal ausgiebig mit Mamas und Papas Handy gespielt werden darf. Es gibt viele tolle Apps, auch schon für sehr kleine Kinder.

Ich wünsche Euch wunderschöne Ferien und allzeit entspannte Flüge!

 

Halima, bekannt als Mama Mia, berufstätige Mutter von zwei Kindern. In meinem Blog schreibe ich ehrlich und ungeschönt über mein wundervolles, lautes, wildes, buntes, hektisches Leben zwischen Kindern und Job.