„Ein Ritual ist eine nach vorgegebenen Regeln ablaufende Handlung“ sagt Wikipedia.

Regeln als „Rituale“ zu bezeichnen, ist wie fettfreie Margarine zu essen – eine Mogelpackung vom Feinsten und für Kinder absolut nicht nachvollziehbar. Denn begründen können wir diese To-Do’s selten.

„Du musst, weil ich es sage!“ könnte man schön mit „Das machen halt alle so.“ verpacken. Verantwortung abgeben ist einfach.

Kinder ernst zu nehmen nicht ganz so.

Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern; da gab es auf die Frage des „Warums“ nicht oft eine befriedigende Antwort.

„Warum, warum ist die Banane krumm“.
„Tja, weil niemand in den Urwald ging und sie gerade bog“.

Auf Fragen wie „Warum müssen Kinder so früh ins Bett?“, hätte man mir damals, statt mit „weil das so ist“ antworten können „Weil dein Körper Kraft zum wachsen braucht und weil du (und ich) schlechte Laune haben, wenn wir nicht genug geschlafen haben. Schlaf ist für uns, wie das Benzin für Autos, ohne funktionieren wir schlecht.“ Wurde aber nicht gesagt, daher kam ich ständig raus. Hunger, Pippi, Durst.

Ich – jetzt, als Mutter

Meiner Erfahrung nach sind Regeln und Rituale oft negativ behaftet, weil es immer einen Beigeschmack von unbegründeter Verpflichtung hat. Nicht immer, aber meist.

Ich finde eine Beziehung auf Augenhöhe zu meinen Kindern daher wertvoller als klassische Erziehung. Nicht zuletzt, weil sie selber lernen zu entscheiden. Aber auch, weil sie den Sinn einer Aufgabe erkennen und ich daher nicht (bis kaum) bei unliebsamen Aufgaben hinterher rennen muss.

Zum Beispiel lernen sie (ab einem bestimmtem Alter) von allein, wenn sie ihre Klamotten nicht in den Wäschekorb bringen, dann haben sie nur noch das blöde Shirt zum Anziehen. Alternativ könnte ich natürlich auch ständig hinterher räumen. Oder schimpfen.

Sie lernen aber auch, wie sie sich in den verschiedenen Gesellschaften benehmen können. Natürlich auch, weil wir Vorbild sind aber auch, weil sie sich austesten können.

Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert, so wäre es fatal wenn mein Kind blindlinks auf die vielbefahrene Straße läuft. Oder als Nichtschwimmer in den tiefen See springt. Solche Situationen kann ich aber leicht erklären – und somit verständlich verhindern, statt zu verbieten.

Und nur, weil es der scheinbar einfachste Weg ist, Dinge zu verbieten oder die „wenn … dann…“ Methoden anzuwenden, heißt das nicht, dass es die beste Methode ist.

Trotz ist meist die offensichtlichste Reaktion eines Kindes, welches sieht, das das alles keinen Sinn ergibt. Denkt an den Supermarkt, weil sich das Kind nutzlos fühlt.

Ich war übrigens ein sehr trotziges Kind.

Wir verzichten also weitgehend auf Regeln, denn ich glaube, wenn Kinder scheinbar Rituale „nachmachen“ dann verstehen sie, wieso wir Großen handeln, wie wir handeln. Und schon sind das keine Rituale mehr, sondern Traditionen, die für Kinder Sinn ergeben, Spaß machen und daher freiwillig passieren.

Alles Liebe,
Nancy 

Nancy, 32, CEO von Metterschling und Maulwurfn, Frau vom Mann, Mama von 4-n, Schokoladenliebhaberin, unperfekt, Cappuchino-Suchti, Falschsängerin, Nachts-Esser, Serienjunkie, dezent anstrengend, Freiheitsliebend, l(i)ebt das Leben, Positivdenkerin – die Welt will verbessert werden